Kapitel 1 & 2

1. Kapitel: Melvin Scott

 

Leise klopfte ich an die Tür. Es war nicht irgendeine Tür. Es war die eine Tür, die ich in nächster Zeit oft öffnen werde. Es war eine Tür in einem Internat. Meine Eltern wollten dass hier nun klopfe, ich nicht. Ich wäre jetzt lieber daheim, in meinem Zimmer und hätte Musik gehört. Aber sie fanden mein Zeugnis wäre zu schlecht und nun stand ich vor der Tür und klopfte. Ich nahm ein leises ‚herein’ wahr. Ich öffnete die Tür und sah ein Mädchen. Sie war ca. 10cm kleiner als ich und hatte lange, glatte, braune Haare. Ihre grünbraunen Augen fielen mir sofort auf. Sie glänzten so schön, wie keine anderen auf der Welt. „Hey! Du musst Lilly sein! Ich bin Cassy!“. Ich lächelte leicht, denn Cassy kam mir ziemlich freundlich vor. Ich mochte sie vom ersten Moment an. „Ja, ich bin Lilly!“. Ich gab ihr die Hand, und lies meinen Koffer fallen. Wir gingen in die Mitte des relativ großen Zimmers und sie zeigte auf ein unbezogenes Bett und auf einen leeren Schrank daneben. „Das ist dein Bett und dein Schrank. Soll ich dir beim einräumen helfen?!“. ‚Hilfsbereit ist sie also auch!’, dachte ich bei diesem Angebot und stimmte zu. Es tat gut gleich am ersten Tag jemanden nettes kennen zu lernen. Ich konnte mir auch sofort eine Freundschaft mit Cassy vorstellen. Sie half mir beim Koffer ausräumen und ich war ihr sehr dankbar. „So… Jetzt erzähl mal was über dich!“. Sie grinste. Sie hatte die Stärke einen allein mit ihrer Stimme zu überreden. Mit den Ton, indem sie dich ansprach. „Also… Ich bin 15 und komme aus einem kleinen Dorf in Baden“. Meine Stimme hörte sich so hilflos und traurig an. “Und warum bist du hier?!”. Traurig blickte ich zu Boden. Ich wollte nicht hier sein, nein, meine Eltern wollten es. „Meine Eltern. Mein Zeugnis. Das sagt alles!“. Ich musste anfangen zu lachen. Ich liebte es mich mit einzelnen Wörtern auszudrücken und die anderen würden es trotzdem verstehen. Auch Cassy lachte. Sie fand wohl meine Ausdrucksweise lustig, aber ich konnte sie ja verstehen. „Oh… Gleich fängt der Nachmittagsunterricht an. Ich nehme an du kommst gleich mit?!“. Ich nickte. Ich holte meinen Rucksack, steckte einen Block, mein Mäppchen und das Deutschbuch hinein. Es war kein langer Weg zum Klassenzimmer und ich setzte mich ziemlich weit hinten zu Cassy. Sofort fiel mir ein Junge auf. Er hatte kurze, braune Haare, die ein bisschen gegelt waren. Er hatte blaue Augen, das viel mir sofort auf, da sie sehr schön waren. In mir machte mein Herz einen Hopser als ich ihn sah, warum bloß. So etwas hatte ich doch noch nie gefühlt. Ich fragte Cassy wer dieser Junge war, der meine Gefühle in Umsturz gebracht hatte. „Das ist Melvin. Er ist wirklich ganz nett und ausnahmsweise nicht auf Chayenne und so scharf. Chayenne, Laura und Claire sitzen hinter uns. Das sind Zicken. Also pass’ auf!“. Ich fing an zu lachen. Chayenne, ich fand den Namen sehr amüsant, im ersten Moment.  Und da kamen sie auch. Sie starrten mich an als hätten sie noch nie ein Mädchen gesehen und ich musste schmunzeln. Kurze Zeit später kam auch die Lehrerin rein, Frau Messner. „Guten Nachmittag. Wie ich sehe ist Lilly auch schon da! Stelle dich doch deinen Mitschülern mal vor!“. Oh nein, ich hatte immer Angst vor die Klasse zu treten, besonders wenn ich über mich reden musste. Aber ich überwund meine Angst und ging vor. Aber wie sollte es auch anders sein. Ich stolperte über einen Schulranzen und flog hin. Niemand lachte, außer Chayenne, Laura und Claire. Ich hätte die 3 in diesem Moment am liebsten abgeschossen. Auf einmal stand Melvin vor mir und gab mir seine Hand. Er half mir hoch und lächelte mich an und ich lächelte zurück. Das Gelächter stoppte schlagartig als Chayenne das sah. Sie stand wohl auf Melvin, das merkte man sofort. Ich fuhr meinen Weg nach vorne fort. Als ich da vorne stand schaute ich fast die ganze Zeit auf Melvin, der mich durchgehend angrinste. „Also, ich bin Lilly, 15 Jahre und ja. Das war’s!“. Wegen einem Satz hatte ich mich also blamiert, aber wenigstens hatte mir Melvin geholfen. Die Deutschstunde verlief ganz gut und auch schnell. Danach hatten wir Sport und ich lief mit Cassy zur Sporthalle. Als ich gerade in die Sporthalle eintreten wollte rempelte mich jemand von hinten an. „Lass Melvin in Ruhe!“, zischte Chayenne als sie an mir vorbei trat.  Cassy verdrehte die Augen und half mir hoch. „Hör nicht auf sie. Die ist doch nur neidisch!“. Ich nickte und ging in die Umkleidekabine und zog mich um. Wir spielten Fußball. Ich liebte Fußball, man konnte seine Wut freien Lauf lassen und einfach Spaß haben. Diesmal hatte ich meine Wut wegen meinen Eltern und wegen Chayenne raus gelassen. Ich hatte sie zwei oder dreimal abgeschossen, natürlich aus versehen, versteh sich. Danach war der Unterricht für heute beendet. Als ich gerade aus der Sporthalle gehen wollte, stand Melvin vor mir. „Hey!“. Fröhlich blickte er mir in die Augen, wie so oft schon, obwohl wir uns erst seit 3 Stunden kannten. „Lust heute Abend mit mir joggen zu gehen?!“. Sofort stimmte ich zu. Nicht nur wegen ihm, nein sondern auch wegen dem Sport. Ich liebte Sport, das sah man nicht nur an meiner Figur. Ich konnte beim Sport ich selbst sein, meinen Gefühlen freien lauf lassen. Wir liefen zusammen hoch zum Hauptgebäude und verabschiedeten uns voneinander. Wir tauschten noch einmal unsere Blicke und gingen dann getrennte Wege zu unseren Zimmern. Im Zimmer wartete schon Cassy. „Was war das denn mit Melvin? Er hat dich ernsthaft zum joggen eingeladen? Wow! Du musst ihm ja wirklich gefallen?!“. Meine blasse Haut färbte sich rot. „Meinst du?!“. Ich legte ein verliebtes lächeln auf die Lippen. Melvin löste in mir keine wirklichen freundschaftlichen Gefühle aus, nein, viel mehr. ‚Das muss wohl Liebe auf dem ersten Blick sein’, dachte ich. Der erste Schultag ging zu Ende und er war gar nicht so übel, wie ich es mir vorgestellt hatte. Beim Abendessen setzte ich mich zu Cassy und wir aßen unsere Brötchen. Nicht einmal das Essen war schlecht, war sogar ganz gut. Warum hab ich dann so viel Theater gemacht, ich möchte hier nicht ihn, vielleicht war es ganz gut, nicht nur wegen Melvin. Er hatte in mir Gefühle ausgelöst, die bis dahin verborgen waren, zumindest schien es so. Ich war ganz glücklich an meinem ersten Tag und nach dem Essen ging ich auf das Zimmer. Cassy traf sich noch mit John, ihren Freund, der auch in unsere Klasse ging. Ich hatte also mal Zeit zum nachdenken. So setzte ich mich auf mein Bett und dachte über das Internat nach. Es war doch gar nicht so schlimm, vielleicht sollte ich meinen Eltern doch danken. Ich hatte schon am ersten Tag eine nette Freundin gefunden, Cassy. Ich nahm mein Buch und las etwas darin. Es war eine Liebeskomödie, mit der ich mich noch nie identifizieren konnte. Aber heute ging es. Ich kannte nun das Gefühl was die Personen im Buch fühlten und das machte mich glücklich. Die Zeit verflog wie im Fluge und Cassy kam in das Zimmer. Sie sah überglücklich aus. Das Treffen mit John musste wohl wunderschön gewesen sein. Ihre Augen glänzten noch mehr als sonst und ihre Haut war voller Farbe, als hätte sie im Lotto gewonnen. Sie setzte sich zu mir. „Wolltest du dich nicht mit Melvin treffen?!“. Verwundert blickte ich auf die Uhr. Schon 17.30 Uhr und in einer Viertelstunde wollten wir uns schon treffen. Ich zog mich schnell um und rannte runter zum See. Ich hatte zwischendurch Zweifel, dass ich auch den richtigen Weg lief und richtig raus kam. Aber ich hatte Glück und hatte den richtigen Weg genommen. Melvin stand schon da und wartete auf mich. Man konnte sehen, dass er froh war das ich gekommen bin, vielleicht dachte er ja, dass ich nicht kommen würde. Aber ich war ja da und sofort joggten wir los. Anfangs waren wir ziemlich still, doch dann kamen wir ins Gespräch. Er erzählte warum er hier sei, dass seine Eltern keine Zeit für ihn hatten und es besser fanden, er würde auf dem Internat aufwachsen. Er fand es ziemlich schön hier. „Ich finde es hier auch ziemlich schön!“, stimmte ich ihm zu. Er lächelte leicht. Nach der Zeit kamen wir auf andere Themen, wie Chayenne. Er konnte sie nicht leide, aber sie ihn und wie sehr. Es nervte ihn ziemlich, weil ihre Art so bösartig war. Ich lachte und stimme ihm wiederum zu. Ich erzählte ihm, dass sie mir drohte, wenn ich ihn nicht in Ruhe lasse. „Ich hoffe du beherzigst diese Drohung nicht!“, scherzte er und schaute mir wieder in die Augen. Als wir uns in die Augen sahen lag etwas Besonderes in der Luft. Ich lächelte ihn freundlich an. Den Rest der Strecke redeten wir kaum noch. Als wir dann normal zur Schule hoch liefen kam uns Chayenne entgegen die mich etwas perplex anstarrte. Als sie sich zu Melvin wandte grinste sie und dachte wohl, dass würde ihn beeindrucken. Doch er schmunzelte nur leise. „Hey Melvin. Wie geht’s?!“. Melvin lies sich zwar kurz auf das Gespräch ein, würgte es aber sofort ab. „Ganz gut. Aber ich muss los. Kommst du Lilly?!“. Eifersüchtig blickte Chayenne uns hinter her und murmelte etwas vor sich hin.

Ich lachte und Melvin grinste schadenfroh. Wir wussten zwar beide, dass das Folgen haben würde, doch das war uns in diesem Moment egal. Fröhlich trennten wir uns abermals am Hauptgebäude und gingen in unsere Zimmer. Cassy wartete schon aufgeregt auf mich. Sie wusste, dass so viele Mädchen der Schule auf den Sunnyboy Melvin stehen und mich hatte er anscheinend ausgewählt. „Und wie war’s?!“ Erschöpft setzte ich mich auf mein Bett. „Na ja, wie joggen gehen nun mal ist!“, scherzte ich. Cassy verdrehte die Augen und setzte sich zu mir. „Habt ihr geredet und hat er Andeutungen gemacht?!“. Ich merkte sofort wie neugierig Cassy war und erzählte ihr, dass wir uns öfters in die Augen gesehen haben und wie schön ich mich gefühlt hatte. Außerdem erzählte ich ihr, dass wir Chayenne getroffen haben und sie musste lachen. Sie freute sich darüber, dass Chayenne eifersüchtig war und sie mal nicht alles haben könnte. Chayenne war ein reiches Mädchen, mit einem mächtigen Vater. Er tat alles, damit seine liebe Tochter ja keine Probleme bekam. Man munkelte, dass er sogar die Lehrer bestach. Es war inzwischen später Abend geworden und ich machte mich für die Nacht fertig. Ich ging in das Gemeinschaftsbad und schminkte mich ab. Chayenne tauchte auf und stellte sich an das Waschbecken neben mich. „Melvin ist süß, ne?!“. Ich nickte bloß. Ich wollte nicht mir ihr reden, ich fand sie einfach unsympathisch. Sie schminkte ihr tonnenschweres Make-up ab und versuchte immerwieder mit mir ins Gespräch zu kommen. Doch ich blockte ab. Irgendwann wurde ihr Ton lauter. „Hör mal kleine! Ich kenn dich nicht, aber ich sehe du stehst auf Melvin und er auf dich. Aber er ist nichts für dich. Nur für mich!“. Wütend verließ sie das Bad. Sie hatte mich beeindruckt. Nicht wegen dem Inhalt ihrer kleinen Ansprache, nein. Sie war verrückt nach Melvin, so richtig. Sie wollte nicht wahrhaben, dass Melvin vielleicht kein Interesse für sie hat. Das war für sie, wie ein Weltuntergang, als würde sie in ein tiefes, tiefes, dunkles Loch fallen. Und das nur wegen mir, dem neuen Mädchen an der Schule. Ich war erst ein Tag hier, doch sorgte schon für einen Weltuntergang bei einer Person. ‚Na super’, dachte ich, musste aber leicht grinsen. Ich war über Chayennes Gefühlslage froh, so richtig schadenfroh, denn ich war glücklich seit langer Zeit endlich wieder. Ich musste so viel aufgeben um hierher zu kommen und es hat sich gelohnt. Ich putze mir noch meine Zähne und ging dann ins Bett.

Am nächsten Morgen war der Unterricht ziemlich eintönig. Ich musste mich immerwieder vorstellen und blamierte mich immerzu. Aber es war mir egal. Die Mittagspause verbrachte ich nicht im Zimmer, sondern auf dem Schulhof. Ich setzte mich auf eine sonnige Bank und schlug mein Buch auf. Ich las gerne. Es machte nicht nur Spaß, man konnte einfach in eine andere Welt eintreten. Jemand setzte sich neben mich, aber ich blickte nicht hoch. Ich spürte wie mein Herz anfing zu rasen, als mich Melvin antippte. Er hatte sich neben mich gesetzt und mich eine Weile beobachtet. „Hey!“. Seine sanfte Stimme lies mich hoch schauen und holte mich aus meinen Tagträumen. „Du liest also auch gerne, wie ich!“. Schon wieder eine Gemeinsamkeit. Es war verrückt, ich hatte wirklich viel mit Melvin gemein, das war schon mal klar. Ich nickte. Ich war noch nie der Typ, der vielen Wörter gewesen, ich machte lieber Zeichensprache.  „Heut Abend wieder joggen?!“. „Klar!“. Fröhlich schaute ich ihn und freute mich innerlich wie ein kleines Kind auf den Abend. Noch nie war ich verliebt, bis jetzt war ich nämlich der Meinung Jungs wären alle böse und kindisch. Aber Melvin war anders. Er war einfühlsam, hilfsbereit, charakterstark und hübsch zugleich. Man musste ihn einfach lieben, vielleicht verstand ich in diesem Moment Chayenne sogar. Wir redeten noch ein wenig über Bücher und den Unterricht am Vormittag.  Wir lachten zusammen über meine Blamagen im Unterricht, die zu jeder Stunde dazugehören. Ja ich war ziemlich tollpatschig, aber das machte mich aus. Mit mir würde es wenigstens nicht langweilig werden, redete ich mir in solchen Momenten immer ein. Und mit Melvin auch nicht. Wir hatten nur noch fünf Minuten der Mittagspause und liefen zusammen zum Biologiesaal. Chayenne schien überall zu sein, denn wir trafen sie auf dem Weg.  Sie schien enttäuscht zu sein, nicht von mir, von Melvin. Vielleicht gab es ja mal etwas in der Vergangenheit, was ich nicht wusste, doch ich dachte nicht länger darüber nach. In der Bio-Stunde setzte ich mich wieder zu Cassy. Ich redete mit ihr über Melvin und John. Sie war ziemlich verliebt, das merkte man. Sie war noch nicht allzu lange mit John zusammen, aber sie war glücklich und ich freute mich für sie. In dieser Stunde sollten wir Augen sezieren. Ich konnte kein Blut sehen, schon immer nicht. Als ich gerade ansetzen wollte einen Schnitt in das Rindauge zu schneiden wurde alles schwarz vor meinen Augen. Aber es wurde schon schnell wieder klarer. Ich sah Cassy und Melvin über mir stehen. Ich rappelte mich auf und sah Chayenne wie sie sich über mich lustig machte. „Oh mein Gott, wie erbärmlich“, hörte ich sie sagen. Aber ich realisierte es kaum und setzte mich auf meinen Stuhl. Mir war das unglaublich peinlich, da ich fast auf Melvin gefallen wäre. Den Rest der Stunde saß ich neben Cassy, die alleine das Auge bearbeitete. Ich schrieb nur auf, was sie sagte. Am Nachmittag machte ich meine Hausaufgaben und lernte ein bisschen für die anstehende Mathearbeit. Abends ging ich mit Melvin joggen, wie jeden Abend und es war wieder wunderschön. Meine Gefühle für Melvin wurden immer stärker und immer wenn ich ihn sah würde ich ihm am liebsten um den Hals fallen. Doch ich war mir nicht sicher was er für mich fühlte, nur das er mich mochte. Vielleicht aber nur als Kumpel? Ich war mir nicht sicher. Abends ging ich duschen. Ich hasste es im Internat zu duschen. Man hatte keine Freiheit, da es eine Gemeinschafstdusche war. Ich war noch nie stolz auf meinen Körper, da er eher männlich rüber kam. So duschte ich immer im Bikini wenn es um Gemeinschaftsduschen ging. Ich wollte nicht, dass man sich über mich lustig machte. Aber nach der Aktion in Bio machten sich Chayenne und ihre Zickenfreunde natürlich lustig über mich und mussten es fast der ganzen Schule erzählen. Von den Mitschülern musste ich mir Sprüche auf den Gängen anhören und Kunstblut ins Gesicht spritzen lassen. Nachdem ich mich wieder angezogen und mich gekämmt hatte ging ich noch in die Aula, da ich auf das schwarze Brett schauen wollte. Mir kam Melvin entgegen. Wir sprachen kurz, bis aber Chayenne kam. Sie sah uns und rannte wieder weg. Ich weiß nicht warum, aber diesmal hatte ihr der Anblick von mir und Melvin besonders wehgetan. Wir redeten aber nur kurz und ich fuhr meinen Weg fort. Als ich wieder zurück ging kam mir Chayenne, Laura und Claire entgegen. Ich wollte an ihnen vorbeilaufen doch sie hielten mich fest und stemmten mich mit voller Kraft gegen die Wand. Ein Schmerz durchfuhr meinen Körper und ich schrie auf. Laura hielt meinen Mund zu und Claire hielt mich an die Wand. Nur Chayenne hielt mich nicht fest, sie stand einfach vor mir. „Lass endlich Melvin in Ruhe! Du bekommst nur Ärger von uns, wenn du es nicht lässt!“. Eine kleine Träne floss über meine Wange, denn die Schmerzen wurde immer Stärker. Chayenne wollte wohl mit den zwei Ohrfeigen, die sie mir verpasste ihre Stärke zeigen und sie war stark. Ich sackte zu Boden und Chayenne und ihre Freundinnen rannten um die Ecke. Ich blieb eine Zeit lang so liegen. Ich konnte mich kaum bewegen, denn der Schock saß tief. Nach der Zeit tauchte Cassy neben mir auf, die mir besorgt auf half und mich in unser Zimmer brachte. Ich erzählte ihr alles, doch sie rat mir nicht zum Direktor zu gehen. Dafür war ihr Vater zu mächtig. Enttäuscht legte ich mich ins Bett und schlief langsam aber sicher ein.

 

2. Kapitel: Das Treffen am See

 

Nach der ziemlich Schmerzhaften Aktion von Chayenne hielt ich Abstand zu ihr. Ich versuchte jeglichen Kontakt zu ihr zu unterbinden und sie einfach zu ignorieren. Aber nicht Melvin. Ich ließ mir nicht alles von Chayenne gefallen, also beschloss ich nicht den Kontakt zu Melvin abzubrechen. Dafür waren meine Gefühle auch zu groß. Wir verstanden uns immer besser, gingen regelmäßig joggen und gingen zusammen ins Kino. Ich fühlte mich so gut in seiner Gegenwart und er auch in meiner. Melvin gab mir die wärme, die ich so lange gesucht hatte und endlich gefunden. Er hatte mir auch gegen Chayenne geholfen. Sie hatte mich eines Abends wieder mit ihren Freundinnen abfangen wollen, doch dann kam Melvin. Er schrie die drei an und half mir wieder auf die Beine. Ich konnte seine Wut über Chayenne spüren, doch war mir nicht sicher, ob nichts in der Vergangenheit geschehene war, zwischen den beiden. Auch mit Cassy verstand ich mich immer besser. Wir lernten zusammen, machten zusammen Hausaufgaben, gingen zusammen Eis essen und shoppen und wir gingen einmal in der Woche zusammen ins Schwimmbad. Es war Mittwoch als mich Melvin vor der Sporthalle abfing. Ich wollte gerade hoch zum Hauptgebäude laufen, als er mir entgegen kam. „Hey!“. Seine sanfte Stimme verzauberte mich immer wieder. Sie war so beruhigend und ich liebte es. ‚Er könnte wohl mit seiner Stimme ganze Stadien zum erstillen bringen’, dachte ich mir immer, wenn er sprach. „Hallöchen!“, fröhlich schenkte ich ihm mein Lächeln, wie schon so oft in letzter Zeit. Seit 2 Monaten war ich auf dem Internat und fühlte mich pudelwohl. „Hast du Lust am Freitagabend mit mir zum See zu laufen? Es ist Vollmond, da ist es immer wunderschön da unten!“.  Sofort stimmte ich zu. Mein allererstes Date und gleich mit Melvin. Seine Augen glänzten, als hätte er im Lotto gewonnen. Ich hätte ihn nur zu gerne umarmt, doch ich wusste nicht wie er reagieren würde. Also ließ ich es. Ich hatte noch viel vor bis Freitag und so verabschiedete ich mich auch schnell von Melvin. „Ich freu mich auf Freitag!“, rief er mir noch hinterher. In der Mensa gab es grade das Mittagsessen und ich stellte mich zu Cassy, die schon in der langen Warteschlange stand. „Was gibt’s denn heute?!“, fragte ich neugierig. Ich fand das Essen im Internat super, fast schon besser als bei Mama. „Vollkornpfannkuchen mit Apfelmus! Wo warst du denn so lange? Ich hab ewig im Zimmer auf dich gewartet!“. Ein wütender Blick kam mir von seitens Cassy entgegen. Ich erzählte ihr, dass Melvin mich aufgehalten hatte und da hatte sie mir gleich verziehen. Als wir endlich unser Essen hatten setzten wir uns an einen freien vierer Tisch zu zweit. Kurze Zeit später setzte sich John und Melvin zu uns. Die beiden verstanden sich schon immer gut und waren auch gute Freunde. Mein Herz fing an zu pochen als Melvin sich neben mich setzte. „Guten Appetit!“, wünschte ich in die Runde und es wurde erwidert. Ich achtete so streng darauf wie ich aß, denn ich wollte mich nicht vor Melvin beim Essen blamieren. „Und? Klappt wegen Freitag sicher, oder?!“. Ich nickte freundlich und Cassy grinste mich wie ein Honigkuchenpferd an. Sie freute sich sehr für mich, dass ich mich mit Melvin traf und Chayenne deswegen unglücklich war. Klar, Schadenfreude war nicht nett, aber Chayenne hatte mir schon sooft wehgetan, diesmal musste ich ihr mal wehtun. Nach dem Essen hatten wir frei. Unser Lehrer war krank geworden und wir hatten seit langem einen freien Nachmittag. Cassy verbrachte ihn mit John und ich mit Melvin. Es tat so gut so viel Zeit mit ihm zu verbringen, ich war überglücklich. Wir gingen zusammen ins Freibad und legten uns an einen abgelegenen Platz hin. Zu meinem Nachteil, war natürlich auch Chayenne gekommen, die sich in unserer Nähe aufhielt. Ich verdrehte die Augen, als ich sie sah und Melvin lächelte mich an. „Ich kann dich verstehen. Chayenne ist nicht gerade ein tolles Mädchen. Du bist aber eins!“. Meine Wangen färbten sich sofort in ein starkes rosé. Ich fühlte mich wie beflügelt und sagte ihm, er sei ein toller Junge. Auch seine Wangen wurden rot. Ich lächelte und stand auf. „Gehen wir ins Wasser?!“. Er nickte und legte seinen Arm auf meine Schultern. Wir hatten viel Spaß im Wasser und vor allem viel Körperkontakt. Es war schön seine Haut zu spüren, auch wenn es nicht gerade der richtige Moment war, denn er tunkte mich ins Wasser. Eigentlich hasste ich es getunkt zu werden, aber bei Melvin war mir das egal. Nach der Zeit kamen Chayenne, Laura und Claire ins Wasser. Sie kamen direkt auf uns zu, doch wir blieben stehen. „Lust auf ne’ Wasserschlacht?!“. ‚Mit euch nicht!’, hätte ich am liebsten gesagt, doch sie fingen schon an. Ich wusste, es würde nicht gut ausgehen, hatte so ein Gefühl im Körper. Claire und Laura kamen direkt auf mich zu. Laura zu meiner linken Seite und Claire zu meiner rechten. Sie hielten mich fest und zogen mich von Melvin weg. Sie tunkten mich immer und immer wieder, dass ich nur aus dem Augenwinkel sah, wie Chayenne sich an Melvin ranmachte. Ich hoffte in diesem Moment er würde sie abblocken und er tat es. Laura und Claire ließen mich relativ schnell wieder los und ich eilte sofort zu Melvin. „Dieses Mädchen wird wohl nie aufhören!“. Seine Stimme war voller Wut und Hass und ich nahm ihn in den Arm. „Dafür hast du ja ein tolles Mädchen, wie mich an der Seite!“. Er fing an zu lachen und nickte fröhlich. Wir blieben noch lange im Schwimmbad und kamen erst ziemlich spät zum Internat zurück. Der Donnerstag verflog sehr schnell und so war es auch schon Freitagabend. Ein besonderer Freitagabend. Heute Abend trafen sich Melvin und ich uns am See. Ich schminkte mich ziemlich stark, zog meine Lieblingsballerinas an und zog ein rotschwarzes Cocktailkleid an, das ich zu meiner Konfirmation bekommen hatte. Meine Mum meinte zwar ich sollte es nur für den Abschlussball tragen, aber das wir mir in dem Moment egal. Ich freute mich so sehr auf den Abend und erhoffte mir so viel. Es war keine Freude wie bei einer guten Schulnote. Es war so eine Freude die man vor Weihnachten bekam, als man noch klein war. Um 20 Uhr kam ich am See an. Er saß schon da und freute sich riesig über mein aufkreuzen als wäre es total spontan. Auch ich freute mich. Er hatte sich auch schick gemacht, sogar ein Hemd hatte er angezogen. Seine Haare sahen nicht so zersaust aus wie sonst, sondern gekämmt und gerichtet. Ich setzte mich zu ihm und wir redeten. Anfangs noch über die baldigen Ferien, die wir beide im Internat verbringen würden und über unsere Lehrer. ‚Nicht gerade romantisch’, dachte ich und war auch ziemlich enttäuscht. Doch irgendwann beobachteten wir still den Mondschein, der auf das Wasser des Sees schien. Es sah wunderschön aus, wie sich das Licht im Wasser spiegelte. Ich dachte über ihn nach, noch nie hatte ich einen Jungen kennen gelernt der liebevoll, hilfsbereit, humorvoll und zuvorkommend gleichzeitig war. Melvin war etwas Besonderes. Seine blauen Augen glänzten vor Freunde. Er stand auf und nahm meine Hand. Ich erwiderte und nahm seine Hand. Mein Herz pochte wie verrückt, als würde ich einen Bunjeejump aus 100metern Höhe springen.  Wie lange hatte ich auf diesen Augenblick gewartet. Wir liefen eine Weile im Mondlicht, Hand in Hand, wie ein altes Liebespaar. ‚Wie kitschig’, dachte ich, ‚aber wunderschön’. Unter einem Baum blieben wir stehen und blickten uns an. Wir waren ungefähr gleich groß, aber er war etwas größer als ich. Wir blickten uns einen kleinen Augenblick in die Augen, doch ich schloss die Augen als sich unsere Lippen das erste Mal berührten. Es war ein langer, inniger Kuss. Am liebsten hätte ich Luftsprünge gemacht und ihm einen Kuss nach den anderen gegeben. Wir lagen uns noch lange in den Armen als wir dann den Weg zum Internat antraten. Ich lehnte meinen Kopf  auf seine Schulter. Ich war sehr glücklich als wir die Gänge im Internat lang liefen. Vor meinem Zimmer blieben wir stehen. Wir gaben uns noch einen Kuss. Wieder verbündeten sich unsere Seelen und ich fühlte mich beflügelt. „Ich liebe dich!“, flüsterte er leise in mein Ohr. Auf diese drei Wörter habe ich schon immer gewartet. Ich erwiderte mit einem fast noch leiserem ‚Ich dich auch!’. Wir tauschten noch einmal unsere Blicke aus und dann wandte er sich ab. Ich blickte ihm nach, bis er um die Ecke verschwand, wo es zu seinem Zimmer ging. Ich riss die Tür auf  und sah Cassy ungeduldig auf ihrem Bett sitzen. „Und? Wie War’s?!“. Neugierig blickte sie mich an und merkte sofort was geschehen war. „Wie süß! Ihr habt euch geküsst!“. Sie hatte es sofort gewusst, ohne das ich ein Wort gesagt habe.

 

Es waren endlich Ferien, die ersten Internatsferien meines Lebens. Ich freute mich darauf, da im Haus kaum ein Lehrer war und wir unsere Ruhe hatten. An diesem Morgen fand ich einen Zettel vor der Tür. Auf ihm stand ziemlich groß ‚Lilly’. War wohl an mich. Ich öffnete und erschrak. Von Chayenne:

 

Du hast es so gewollt. Du wolltest deine Finger nicht von Melvin lassen. Ich werde mich rächen. Irgendwann. Also pass auf!  ~Chaya

 

Geschockt zeigte ich Cassy den Brief. „Sie ist unberechenbar!“. Eine traurige Stimmung überbrachte uns beide, doch wir beschlossen auf uns aufzupassen. Ich hatte ja noch Melvin. Wir trafen uns an diesem Morgen, tauschten aber nur ein paar Küsse und blicke aus, da er dann zur Nachhilfe gehen musste. Nein, er brauchte keine Nachhilfe, er war ein Musterschüler, er gab Nachhilfe. So sah ich ihn den ganzen Tag nicht, aber solang es ihm Spaß machte und er Geld dabei verdiente machte es mir nichts aus. Die Ferien waren wunderschön. Fast jeden Abend unternahmen wir etwas zusammen und hatten so viel Spaß. Ich war überglücklich Melvin zu haben. Ich dachte nicht mehr an Chayennes Drohung. Sie war mir egal, solange ich Melvin hatte war ich glücklich und dagegen konnte Chayenne auch nichts machen. Dachte ich zumindest.

Wir hatten nur noch einen Tag der Ferien, doch er gab wieder Nachhilfe. Traurig lief ich durch die Schule, da ich nicht wusste was ich anderes tun sollte. Als ich den Gang zu meinem Zimmer lang lief tauchen zwei Jungs hinter mir auf. Sie waren Freunde von Chayenne,  dass wusste ich. Ich wollte losrennen, doch sie hatten mich schon eingeholt. Vor Chayennes Tür fassten sie mich und zerrten mich in ihr Zimmer. Sie setzen mich auf den Stuhl und banden meine Hände auf den Rücken mit ein paar Kabelbindern. Chayenne kam in das Zimmer und nickte den Jungen zu. „Gute Arbeit!“. Sie lachte heimtückisch. „Du hast es nicht anders gewollt. Du musstest ihn ja unbedingt küssen, du Schlampe!“. Sie gab mir eine Ohrfeige .Wieder durchzog ein Schmerz meinen Körper. „Was willst du denn?!“. Verzweifelt versuchte ich aufzustehen, doch einer der beiden Jungen hielt mich fest. „Du machst Schluss!“. Chayenne wollte ihn unbedingt. Es war ihr egal ob sie meine Liebe zerstörte. „Niemals!“. Ich fing an zu schreien. Auch im Hilfe, doch der andere der Jungen hielt meinen Mund zu. „Ich werde jetzt seine Handynummer wählen und wenn du nicht Schluss machst wird Cassy etwas passieren!“. Ich ignorierte ihr Androhung, doch dann drehte ich mich um und sah wie Cassy bei Claire und Laura saß, die ich bis jetzt nicht bemerkt hatte. Sie hatten mich in meinem Herz getroffen. Ich wollte nicht, dass Cassy etwas wegen mir geschah, aber Melvin verlieren konnte ich auch nicht. Traurig blickte ich zu Boden und sagte Chayenne zu. Ich konnte nicht sehen, wie Cassy leiden musste, nur wegen meiner Liebe. Chayenne nahm ihr Handy und wählte Melvins Nummer. Sie schaltete den Lautsprecher an und man könnte Melvins Stimme hören. „Hallo?!“. Ich hatte mir einen kleinen Plan ausgedacht. „Melvin, ich bin’s Lilly, Chayenne hält mich f…“. Der Junge hinter mir zig seine Hand vor meinen Mund. Mein Plan war nicht ausgegangen, hatte ich mir fast gedacht. Chayenne blickte mich böse an und ich nickte ihr zu. „Hallo? Lilly? Noch da?!“. „Ja! Ich weiß nicht. Aber ich glaube, es geht nicht mehr zwischen uns!“. Chayenne drückte den roten Hörer und grinste. „Geht doch…“, murmelte sie. Laura und Claire brachten Cassy aus dem Zimmer. „Lass die Finger von Melvin! Sonst passiert ein Unglück!“. Sie brachten mich in mein Zimmer und ich sah wie Cassy ausgelöst auf ihrem Bett saß. „Es tut mir Leid!“, murmelte ich und nahm sie in den Arm. „Chayenne hat gewonnen. Alles hat sie jetzt was sie wollte!“.

18.1.09 10:56

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sena / Website (18.1.09 15:26)
Heii. <3
Ich find die Geschichte toll. <3


Luu / Website (14.6.09 19:10)
Alenaa <3
voll gut gemacht!



Isa (14.6.09 21:12)
geiler gehts nicht man !
Wunderschön Alena & ich sag dir doch das du n Buch daraus machen sollst !



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